Luftschloesser
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Bremse 3
Der folgende Bericht ist sehr lang und
wurde deswegen auf mehrere Seiten aufgeteilt
Es
trug sich zu vor mittlerweile fast einem Jahr:
Auf dem Heimweg von der Brausemobil-Aktion (siehe
hier), wurde ich,
bereits wieder in Berlin an einer roten Ampel folgenden Umstands gewahr:
Trotz gleichbleibenden Pedaldrucks sank der Steuerdruckzeiger im
Doppelmanometer (bei meiner Einkreisanlage zeigte der weisse den
System-, der rote Zeiger den momentan im Bremskraftverstaerker
eingesteuerten Druck) fast unmerklich langsam ab. Sicher, man haette so
noch weiter fahren koennen, wahrscheinlich die naechsten Jahre, dennoch
wollte mir das so nicht gefallen.
Reparaturen die das Leben schreibt und dass, obwohl ich mich jetzt doch
meinem krachenden Getriebe widmen wollte. Nunja, mit kaputten Getriebe
ist nicht gut fahren, das ist nicht schoen, aber mit defekter Bremse
kann man nicht mehr anhalten, was in meinen Augen noch wesentlich
stoerender ist, so man vor hat eine Gewisse Laenge der Lebenszeitachse
zu
erreichen.
Also hies mein neues LKW-Technik-Lehrfeld ab dann:
Fremdkraftbremsanlagen in Nutzfahrzeugen
Die
Bestandsaufnahme war schnell abgeschlossen; wie bereits mehrfach
geschrieben handelt es sich im Falle meines Fahrzeuges um eine
einkreisig aufgebaute druckluftunterstuetzte Einkreis-Hydraulik.
Das bedeutet aufgeschluesselt, das vom Bremspedal eine mechanische
Verbindung zu einem Einkammer-Bremsverstaerker besteht, in dessen
Inneren bei Pedalbetaetigung Ventil eine Verbindung zur Vorratsluft
freigibt und so den anliegenden mechanischen Pedaldruck auf den
hydraulischen Hauptbremszylinder mittels Druckluft unterstuetzt. Der im
einkreisig ausgefuehrten hydraulischen Hauptbremszylinder (HBZ)
erzeugte
Druck wird mittels einfachem T-Stueck auf die Zuleitungen zur Vorder-
und Hinterachse und deren Radbremszylinder (RBZs) gleich verteilt.
Nun mag die Frage auftauchen: "Warum wird ueberhaupt eine
FREMDkraftbremsanlage eingebaut?"
Dazu weiss das Buch "Nutzfahrzeugtechnik" von Hoepke/Breuer (ISBN
978-3-8348-0374-0) folgende Antwort:
"Schwere Kraftfahrzeuge wie LKW und Busse ueber 7,5t
lassen sich mit einer hydraulischen Bremsanlage, selbst wenn sie mit
Bremskraftverstaerkern ausgeruestet sind, nicht mehr verkehrssicher
abbremsen. Dazu sind die abzubremsenden Massen zu gross. In NFZ
verwendet man daher zur Erzeugung der erforderlichen Spannkraefte an
den
Radbremsen die Fremdenergie Druckluft (Fremdkraft-Bremsanlage)."
Das bedeutet nach meinem Verstaendniss: Der Mensch ist der Grund fuer
die
Fremdunterstuetzung. In der Praxis am Fahrzeug ist ab einer bestimmten
Masse ein Kompromiss zwischen Pedalweg (muss man gut treten und
dosieren koennen), HBZ-Laenge/Durchmesser und RBZ-Baugroessen (muss in
die
Trommel passen) erforderlich, bei dem die menschliche Beinkraft einfach
nicht mehr ausreicht.
In meinem Fall war das also eine Druckluftunterstuetzung, denn trotz
Frontlenkerhaus und Reihenmotor sind die fruehen Modelle der "modernen"
Reihe 110 und 120D7 technisch noch eher dem Merkur verwandt als dem
170er Magirus.
Ich begann also mit der Vorrecherchere nach Teilen fuer den
Einkammerbemskraftverstaerker der Marke Knorr, doch wo ich auch
anfragte
gab es nur Kopfschuetteln, auch der Hersteller, direkt kontaktiert
hatte
keinerlei Teile mehr zu bieten.
Meine Ueberlegung waren:
- Ausbauen, Zerlegen, Instandsetzen (evtl. dann eben mit
selbstgefertigten Dichtungen) und evtl., zur systematischen
Verbesserung, einen 2kreis HBZ montieren
oder nun, die Gelegenheit beim Schopf greifend
- den gesamten Druckluftteil des Fahrzeugs sowie grosse Teile der
Hydraulik erneuern und verbessern
Einige Teile fuer eine solche Aktion hatte ich ueber die
Jahre immer wieder bei Ebay erstanden, von neuen Kesseln ueber ein
Vierkreisschutzventil (VKSV), bis hin zum Lufttrockner der dem
unvermeidlichen Gammel in Leitungen und Ventilen ein Ende bereiten
sollte. Des weiteren fanden sich im Regal Teile, die mal als Zugabe
beim Kauf zweier Achsen den Weg in mein Regal fanden: Ein
Trittplattenbremsventil, ein zweikreisiger HBZ eines 170ers sowie der
dazugehoerige Vorspannzylinder. Damit waren grundsaetzlich also fast
alle
Komponenten zum Bau einer Zweikreis-LuftBETAeTIGTEN Zweikreis-Hydraulik
vorhanden.
Grundsaetzlich ein sinnvolles Upgrade, das die Verfuegbarkeit der
Anlage
um ein mehrfaches steigern koennte. "Was tun?" sprach Zeus....
Ich dachte nach, schaute mir verschiedene Bremssysteme an den
unterschiedlichen Fahrzeugen vor Ort an, zeichnete, verglich die HBZ
und RBZ Durchmesser und Huebe von 170er und 110er und diskutierte das
ganze Vorhaben mit den ueblichen Verdaechtigen mehrfach von A-Z durch,
teilte meine Bedenken mit, wurde auf neue Problematiken hingewiesen und
musste mich von mancher Idee verabschieden. Schliesslich, nachdem die
Machbarkeit theoretisch bestaetigt war stand mein Entschluss fest:
Das alte System fliegt komplett raus, es wird umgebaut
auf eine moderne Vierkreisanlage mit 2-kreisiger Betriebsbremse. Dazu
werden alle Leitungen und Kessel erneuert und, auf das die Haltbarkeit
steige, kommt ein Lufttrockner mit integriertem Druckregler zum
Einsatz. Und, eine weitere folgenschwere Entscheidung: Ich wollte in
den Hauptleitungen des Luftteils kein Tecalan verbauen, sondern die
Leitungen in Metall ausfuehren. Auch hier hielt ich einige
Ruecksprachen
mit fachlich versierten Mitglieder verschiedener Foren und entschied
mich zwecks leichter Verarbeitung fuer Kupfer.
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